Der Ruf der Trommel
Roman
Artikel-Nr.:11226900
ISBN:978-344236108-3
Erschienen:2004
Aus der ReiheBlanvalet Taschenbuch
Band:Nr.36108
Erschienen beiBlanvalet
Gewicht:694g
Seitenanzahl:1196
Annotation
Nach einer langen, abenteuerlichen Reise landen James Fraser und seine Frau Claire in den amerikanischen Kolonien des achtzehnten Jahrhunderts. Doch der Atem der Vergangenheit reicht weit. Denn auch ihre Tochter Brianna ist dem Ruf der Trommeln gefolgt - nicht nur auf der Suche nach der Vergangenheit und nach dem Vater, den sie nie gesehen hat, sondern auch aus Angst vor einer Zukunft, die nur sie allein kennt . . . "Der Ruf der Trommeln" ist nach "Feuer und Stein", "Die geliehene Zeit" und "Ferne Ufer" der vierte in sich abgeschlossene Roman der mehrteiligen historischen Highland-Saga um die Heldin Claire Beauchamp Randall.
Exzerpt
Charleston, Juni 1767 / / Ich hörte die Trommeln, lange bevor sie in Sichtweite kamen. Die Schläge hallten in meiner Magengrube wider, als wäre ich selber hohl. Der Klang breitete sich in der Menge aus, ein harter, militärischer Rhythmus, der dazu gedacht war, jedes Gespräch und selbst Schüsse zu übertönen. Ich sah, wie sich die Köpfe umwandten, während die Menschen verstummten und jenen Abschnitt der East Bay Street entlangblickten, der den Rohbau des neuen Zollhauses mit den White Point Gardens verband. / Es war ein heißer Tag, sogar für Charleston im Juni. Die besten Plätze waren auf dem Hafendamm, wo wenigstens ein Luftzug wehte; hier unten war es, als würde man lebendig gegrillt. Mein Hemd war durchnäßt, und das Baumwollmieder klebte mir zwischen den Brüsten. Zum zehnten Mal in ebenso vielen Minuten wischte ich mir über das Gesicht und hob meinen schweren Haarknoten in der vergeblichen Hoffnung, daß ein Luftzug mir den Hals kühlen würde. / Überhaupt fielen mir im Moment makabererweise Hälse besonders auf. Unauffällig legte ich die Hand an meine Kehle und umspannte sie mit den Fingern. Ich konnte spüren, wie der Puls meiner Halsschlagadern im Takt mit den Trommeln schlug, und beim Atmen verstopfte mir die heiße, feuchte Luft die Kehle, als wäre ich selber dem Ersticken nahe. / Ich zog hastig meine Hand weg und holte Luft, so tief ich konnte. Das war ein Fehler. Der Mann vor mir hatte seit mindestens einem Monat nicht mehr gebadet. Der Rand seiner Halsbinde stand vor Dreck, und seine Kleider rochen säuerlich und muffig und überdeckten sogar den Schweißgeruch der Menge. Aus den Buden, an denen Eßbares verkauft wurde, drang der Geruch von heißem Brot und siedendem Schweinefett und vermischte sich mit dem Moder verfaulenden Seegrases, der aus der Marsch herüberwehte und durch einen salzigen Luftzug vom Hafen her kaum gemildert wurde. / Vor mir reckten ein paar Kinder gaffend die Hälse. Sie rannten zwischen den Eichen und Fächerpalmen hervor, um einen Blick auf die Straße zu werfen und wurden von ihren besorgten Eltern wieder zurückgerufen. Der Hals des Mädchens neben mir erinnerte an den weißen Teil eines Grashalmes, schlank und glänzend. / Ein aufgeregtes Raunen ging durch die Menge: Die Galgenprozession kam am anderen Ende der Straße in Sicht. Die Trommeln wurden lauter. / »Wo ist er?« murmelte Fergus neben mir und reckte ebenfalls den Hals, um etwas zu sehen. »Ich wußte doch, daß ich besser mit ihm gegangen wäre.« / »Er kommt schon noch.« Ich hätte mich am liebsten auf die Zehenspitzen gestellt, ließ es aber bleiben, weil ich es als unpassend empfand. Dennoch blickte ich mich suchend um. Ich konnte Jamie in jeder Menschenmenge ausmachen, denn sein Kopf und seine Schultern überragten die meisten Männer, und in seinem Haar fing sich das Licht in einer rotgoldenen Flamme. Er war noch nicht zu sehen, nur das Meer wogender Hauben und Dreispitze, mit denen sich jene Bürger vor der Hitze schützten, die zu spät gekommen waren, um noch einen Platz im Schatten zu ergattern. / Zuerst kamen die Flaggen. Über den Köpfen der aufgeregten Menge wehten die Banner von Großbritannien und der Kronkolonie South Carolina. Und ein weiteres, das das Wappen des Gouverneurs der Kolonie trug. / Dann kamen die Trommler, in Zweierreihen und im Gleichschritt, und ihre Stöcke wechselten zwischen Schlägen und Wirbeln ab. Es war ein langsamer Marsch, grimmig und unerbittlich. Totenmarsch, so glaubte ich, nannte man diese spezielle Kadenz; sehr passend unter diesen Umständen. Alle anderen Geräusche ertranken im Trommelwirbel. / Dann kam der Zug der rotberockten Soldaten, und in ihrer Mitte die Gefangenen. / Sie waren zu dritt. Man hatte ihnen die Hände vor den Bauch gebunden und sie mit einer Kette aneinandergefesselt, die durch Ringe an ihren Halseisen lief. Der erste war ein kleiner, älterer Mann, zerlumpt und verlottert, ein verfallenes Wrack, und er torkelte und stolperte so sehr, daß
Autoren-Info:
Diana Gabaldon
Diana Gabaldon war Honorarprofessorin für Tiefseebiologie und Zoologie an der Universität von Arizona, bevor sie sich hauptberuflich dem Schreiben widmete. Bereits ihr erster Roman Feuer und Stein" wurde international zu einem gigantischen Erfolg und führte dazu, dass Millionen von Lesern zu begeisterten Fans der Highland-Saga wurden.
Diana Gabaldon lebt mit Mann und drei Kindern in Scottsdale, Arizona.





Warenkorb
Merkliste (5)
Mein Konto | Login
Versandkosten


€ 13.40
€ 13.00


